The story
Willkommen in der Augustusstraße, einem Ort, an dem die Zeit scheinbar im Gleichschritt der Pferdehufe stehen geblieben ist. Wenn Sie jetzt vor dieser gewaltigen Wand stehen, blicken Sie auf nichts Geringeres als das größte Porzellanbild der Welt. Über einhundert Meter lang erstreckt sich dieser monumentale Reiterzug an der Außenwand des Stallhofs und erzählt uns die Geschichte eines der ältesten Adelsgeschlechter Europas: der Wettiner.
Lassen Sie Ihren Blick einmal über die gesamte Länge schweifen. Was Sie hier sehen, sind über 23.000 einzelne Fliesen aus echtem Meissener Porzellan.
Es ist fast ein Wunder, dass wir dieses Kunstwerk heute noch in seiner vollen Pracht bewundern können. Während die Bombenangriffe von 1945 fast die gesamte Dresdner Altstadt in Schutt und Asche legten, überstand der Fürstenzug die Hitze des Feuersturms fast unbeschadet. Die Porzellanfliesen waren bei ihrer Herstellung so extrem hoch gebrannt worden, dass ihnen die Flammen der brennenden Stadt kaum etwas anhaben konnten.
Die Prozession zeigt uns 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige, die Sachsen über achthundert Jahre lang regierten. Wenn Sie am Anfang des Zuges, also auf der Seite des Georgentors, beginnen, begegnen Sie Konrad dem Großen aus dem 12. Jahrhundert.
Folgen Sie den Reitern langsam in Richtung Frauenkirche. Merken Sie, wie sich die Mode und die Rüstungen im Laufe der Meter verändern? Es ist wie ein Daumenkino der sächsischen Geschichte.
Natürlich darf einer in dieser Reihe nicht fehlen: August der Starke. Sie finden ihn etwa in der Mitte des Zuges. Er ist leicht zu erkennen an seiner herrschaftlichen Pose, die Kraft und barocken Glanz ausstrahlt.
Achten Sie einmal auf die Hufe seines Pferdes – es heißt, er zertrete eine Rose, was symbolisch für seine Machtansprüche stand. Ganz am Ende des Zuges, fast schon unscheinbar, hat sich der Schöpfer des Werkes selbst verewigt. Der Maler Wilhelm Walther ist die bärtige Figur ganz hinten, die den Abschluss der Prozession bildet.
Er investierte Jahre seines Lebens in dieses Werk, das ursprünglich als Wandgemälde in einer speziellen Kratzputz-Technik, dem Sgraffito, entstand. Doch da die Witterung dem Bild schnell zusetzte, entschied man sich Anfang des 20. Jahrhunderts, das Motiv auf das wetterfeste „Weiße Gold“ aus Meissen zu übertragen.
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und treten Sie ganz nah an die Wand heran. Die Detailverliebtheit ist atemberaubend – von den feinen Zügeln der Pferde bis hin zu den Stickereien auf den Gewändern. Der Fürstenzug ist mehr als nur eine Ahnengalerie; er ist der steinerne und porzellanene Stolz einer Stadt, die ihre Geschichte liebt.
Genießen Sie den Spaziergang entlang dieser edlen Kavallerie, bevor Sie Ihren Weg durch das historische Dresden fortsetzen.