The story
Willkommen im Herzen Münchens, im majestätischen Dom zu Unserer Lieben Frau. Wenn Sie durch das Hauptportal treten, lassen Sie für einen Moment die Hektik der Kaufingerstraße hinter sich. Spüren Sie die kühle, andächtige Luft und den weiten Raum, der sich über Ihnen öffnet.
Gehen Sie nun ein paar Schritte vorwärts in das Mittelschiff, genau dorthin, wo im Boden eine dunkle Platte mit einem markanten Fußabdruck eingelassen ist. Sie stehen nun auf dem legendären Teufelstritt. Schauen Sie von hier aus geradeaus in Richtung des Hochaltars.
Fällt Ihnen etwas Merkwürdiges auf? Wenn Sie genau auf dieser Stelle stehen bleiben, wirken die massiven, weißen Pfeiler wie eine geschlossene Wand. In der ursprünglichen Architektur des 15.
Jahrhunderts sah man von diesem Punkt aus tatsächlich kein einziges Seitenfenster. Das Licht schien wie durch Geisterhand in den Raum zu fließen, ohne dass eine Lichtquelle sichtbar war. Hinter diesem optischen Rätsel steckt eine der berühmtesten Sagen der Stadt.
Man erzählt sich, dass der Baumeister Jörg von Halspach beim Bau der Kirche in Zeitnot und Geldnot geriet. Da bot ihm der Teufel höchstpersönlich seine Hilfe an – jedoch unter einer hämischen Bedingung: Das Gotteshaus dürfe keine Fenster haben, es sollte ein Ort der Dunkelheit werden. Halspach, ein schlauer Kopf, ging auf den Pakt ein.
Als die Kirche 1488 fertiggestellt war, führte der Baumeister den Teufel genau an diese Stelle, auf der Sie gerade stehen. Der Teufel blickte sich um, sah nur die mächtigen Säulenreihen und keine einzige Glasfläche. Er lachte hämisch, überzeugt davon, dass die Menschen in dieser finsteren Halle kaum andächtig werden würden.
Doch als er nur einen einzigen Schritt weiter nach vorne tat, jenseits der rettenden Säule, offenbarte sich ihm die Pracht der hohen, farbigen Fenster, die das Schiff in ein göttliches Licht tauchten. Vor Wut über diesen Betrug stampfte der Teufel so fest auf den Boden, dass sein schwarzer Fußabdruck im Stein zurückblieb. Er versuchte daraufhin, das Gebäude mit einem gewaltigen Sturm einzureißen, was ihm jedoch misslang.
Münchner sagen bis heute, dass der Teufel immer noch in Form eines ständigen Windzuges um die beiden markanten Zwiebeltürme streicht und darauf wartet, sein Werk zu vollenden. Wenn Sie heute vom Teufelstritt aus nach vorne schauen, werden Sie am Ende des Chores zwar ein Fenster sehen, doch das liegt daran, dass der riesige Hochaltar, der die Sicht früher versperrte, heute nicht mehr dort steht. Genießen Sie diesen Moment der optischen Täuschung und lassen Sie Ihren Blick an den 22 weißen Pfeilern emporwandern.
Sie sind Zeugen eines architektonischen Triumphs, der sogar den Teufel überlistet hat. Gehen Sie nun ruhig weiter hinein ins Licht – aber halten Sie kurz inne, wenn Sie das nächste Mal einen Windstoß an den Türen spüren. Es könnte der Teufel sein, der immer noch grollt.