The story
Willkommen am Geschwister-Scholl-Platz. Bleiben Sie einen Moment stehen und lassen Sie Ihren Blick über diesen weiten, steinernen Platz schweifen. Sie stehen hier im Herzen der Ludwig-Maximilians-Universität, zwischen den beiden großen Springbrunnen, die so ruhig vor sich hin plätschern.
Vor Ihnen erhebt sich das imposante Hauptgebäude mit seinen Rundbogenfenstern. Es ist ein Ort der Gelehrsamkeit, doch unter Ihren Füßen verbirgt sich eine Geschichte von ungeheurem Mut und tragischem Schicksal. Schauen Sie bitte direkt nach unten auf das Pflaster vor dem Haupteingang.
Sie sehen dort keine gewöhnlichen Steine, sondern in Bronze gegossene Flugblätter, die scheinbar wahllos über den Boden verstreut sind. Es wirkt fast so, als hätte sie gerade erst jemand aus der Luft fallen lassen und der Wind hätte sie hier zur Ruhe gebettet. Dieses Bodenmonument des Künstlers Robert Schmidt-Matt erinnert an die Widerstandsgruppe Die Weiße Rose.
Wir schreiben den 18. Februar 1943. Es ist kurz vor elf Uhr vormittags.
Hans Scholl und seine Schwester Sophie betreten genau dieses Gebäude hinter Ihnen. Sie tragen einen schweren Koffer bei sich. Darin befinden sich etwa 1.
700 Exemplare ihres sechsten Flugblatts. Während in den Hörsälen die Vorlesungen laufen, eilen sie durch die leeren Gänge. Ihr Ziel ist der Lichthof, die prachtvolle, überdachte Halle im Inneren.
Sie legen Stapel der Flugblätter vor den Hörsälen aus. Doch dann geschieht der entscheidende Moment: Sophie Scholl läuft in den zweiten Stock, blickt über die Brüstung hinunter in den leeren Lichthof und stößt den letzten Stapel Papier mit Schwung über das Geländer. Die Blätter segeln wie weißer Schnee in die Tiefe.
Es ist ein Akt der puren Provokation gegen das NS-Regime, ein Schrei nach Freiheit inmitten der Diktatur. Doch sie werden beobachtet. Der Hausschlosser Jakob Schmid sieht sie und hält sie fest, bis die Gestapo eintrifft.
Nur vier Tage später werden Hans, Sophie und ihr Freund Christoph Probst hingerichtet. Wenn Sie heute hier stehen, spüren Sie die Stille dieses Ortes ganz anders. Die bronzenen Blätter im Boden zitieren aus ihren Texten.
Wir lesen dort Sätze wie: Wir schweigen nicht, wir sind Euer böses Gewissen; die Weiße Rose läßt Euch keine Ruhe. Dieser Platz hieß früher nach einem General, heute trägt er die Namen der Geschwister Scholl. Die Universität ist nicht mehr nur ein Ort der Theorie, sondern durch dieses Denkmal ein ewiger Mahner für Zivilcourage.
Jedes Mal, wenn ein Student über diese bronzenen Blätter eilt, wird die Erinnerung an jene jungen Menschen wachgehalten, die bereit waren, alles für die Wahrheit zu geben. Nehmen Sie sich kurz Zeit, lesen Sie eine der Inschriften im Metall, bevor Sie Ihren Weg fortsetzen. Die Weiße Rose ist hier, direkt unter Ihren Füßen, für immer im Herzen Münchens verankert.