The story
Herzlich willkommen am Elbufer, direkt hier vor der imposanten Kulisse der Altonaer Fischauktionshalle. Schauen Sie sich dieses Bauwerk einmal genau an. Mit ihrer roten Backsteinfassade, den großen Rundbogenfenstern und der weiten Glaskuppel erinnert sie fast an eine Basilika oder einen prächtigen Dom.
Doch hier wurde nicht gebetet, hier wurde knallhart verhandelt. Wir schreiben das Jahr 1894, als dieses Gebäude fertiggestellt wurde. Damals war Altona noch eine eigenständige Stadt und stand in scharfer Konkurrenz zur großen Nachbarin Hamburg.
Um den Fischhandel an sich zu ziehen und den Fischern einen modernen Umschlagplatz zu bieten, stampfte man dieses architektonische Prunkstück aus dem Boden. Es war eine Demonstration von Macht und Wohlstand. Wenn Sie Ihren Blick nach oben zu den filigranen Eisenkonstruktionen schweifen lassen, erkennen Sie den industriellen Stolz jener Zeit.
Stellen Sie sich nun vor, es ist Sonntagmorgen, kurz vor Sonnenaufgang. Während der Rest der Stadt noch schläft oder die letzten Nachtschwärmer torkelnd den Kiez verlassen, erwacht hier das Leben. Seit über 300 Jahren findet hier der legendäre Fischmarkt statt.
Die Luft ist erfüllt vom Geruch nach Salz, Algen und frischem Kaffee. Draußen auf dem Platz rufen die Marktschreier – Legenden wie Aale-Dieter – ihre Angebote in die Menge, während drinnen in der Halle früher die Auktionshämmer knallten. Das Innere der Halle ist heute ein Ort der Begegnung.
Wo einst tonnenweise Kabeljau, Hering und Scholle den Besitzer wechselten, finden heute Konzerte, Gala-Abende und der berühmte Sonntagsbrunch statt. Es ist dieser ganz besondere Hamburger Kontrast: Unter der historischen Stahlkuppel spielt eine Live-Band Jazz oder Rock, während die Besucher an langen Holztischen Fischbrötchen essen und auf die vorbeiziehenden Containerschiffe blicken. Doch die Geschichte der Halle war nicht immer glanzvoll.
Im Zweiten Weltkrieg wurde sie schwer beschädigt und drohte in den 1970er Jahren sogar abgerissen zu werden. Man hielt sie für ein Hindernis für die moderne Hafenplanung. Dass wir heute noch vor ihr stehen können, verdanken wir engagierten Bürgern und Denkmalschützern, die erkannten, dass dieses Gebäude die Seele Altonas verkörpert.
Nach einer aufwendigen Restaurierung erstrahlt sie seit 1984 wieder in altem Glanz. Achten Sie beim Weitergehen auch auf die Flutmarkierungen an den Wänden in der Nähe. Die Elbe ist hier Fluch und Segen zugleich.
Bei schweren Sturmfluten steht das Wasser oft meterhoch in der Halle. Doch wie die Hamburger selbst, lässt sich auch die Auktionshalle nicht unterkriegen. Sie wird einfach trockengelegt, durchgewischt, und schon geht der Betrieb weiter.
Genießen Sie den Moment hier am Wasser. Das Kreischen der Möwen, das tiefe Horn der auslaufenden Schiffe und die Beständigkeit dieses Backsteinmonuments erzählen Ihnen mehr über Hamburg als jedes Geschichtsbuch. Nehmen Sie sich Zeit, atmen Sie die Elbluft ein und lassen Sie die Atmosphäre dieses Ortes auf sich wirken, bevor Sie Ihren Weg am Ufer fortsetzen.