The story
Stellen Sie sich vor, Sie stehen direkt an den St. Pauli Landungsbrücken, die salzige Elbluft in der Nase und das Geschrei der Möwen im Ohr. Direkt vor Ihnen ragt ein markantes, quadratisches Gebäude mit einer gewaltigen, grünspanverkrusteten Kuppel auf.
Das ist der Eingang zu einem der faszinierendsten Bauwerke Hamburgs: dem Alten Elbtunnel. Wenn Sie das Gebäude betreten, spüren Sie sofort den Wechsel der Atmosphäre. Der Trubel des Hafens bleibt draußen, und es empfängt Sie eine kühle, fast ehrfürchtige Stille.
Schauen Sie nach unten in den gewaltigen Schacht. Hier warten vier riesige Fahrstühle auf Sie. Es sind keine gewöhnlichen Aufzüge; diese hölzernen Kabinen sind so groß, dass sie sogar ganze Autos transportieren können.
Während wir langsam vierundzwanzig Meter in die Tiefe gleiten, lassen Sie uns kurz in das Jahr 1911 zurückreisen. Damals war dieser Tunnel eine Weltsensation. Über zwanzigtausend Hafenarbeiter mussten jeden Tag von St.
Pauli zu den Werften auf der anderen Elbseite gelangen. Die Fähren waren völlig überlastet, und so grub man sich mit bloßer Muskelkraft und unter gefährlichem Überdruck unter dem Flussbett hindurch. Unten angekommen, öffnet sich vor Ihnen eine der zwei hell gefliesten Röhren.
Sie sind genau 426 Meter lang. Wenn Sie losgehen, achten Sie auf das Echo Ihrer Schritte auf dem Asphalt und das sanfte Licht, das sich in den weißen Kacheln spiegelt. Aber schauen Sie nicht nur geradeaus.
Die Wände erzählen Geschichten. In regelmäßigen Abständen finden Sie kunstvolle Majolika-Reliefs – glasierte Tonplatten, die typisch für den Jugendstil sind. Sie zeigen Motive aus der Unterwasserwelt: fette Karpfen, flinke Aale, Hummer und sogar einen weggeworfenen alten Stiefel oder eine Ratte, die an einem Knochen nagt.
Es ist der humorvolle Gruß der Erbauer an die Fußgänger. Über Ihnen lasten nun Millionen Tonnen Wasser und der Schiffsverkehr der Elbe, doch hier unten herrscht eine fast meditative Ruhe. Der Geruch ist einzigartig – eine Mischung aus feuchtem Stein, altem Maschinenfett und der kühlen Luft des Untergrunds.
Nach etwa zehn Minuten Fußmarsch erreichen Sie das südliche Ende in Steinwerder. Wenn Sie dort mit dem Fahrstuhl wieder ans Tageslicht fahren, erwartet Sie die Belohnung für Ihre Wanderung. Von der Aussichtsplattform auf der anderen Elbseite haben Sie den wohl spektakulärsten Panoramablick auf die Hamburger Skyline.
Die Elbphilharmonie, die Museumsschiffe Rickmer Rickmers und Cap San Diego und die Kirchtürme der Stadt liegen Ihnen direkt gegenüber. Der Alte Elbtunnel ist mehr als nur eine Verkehrsverbindung. Er ist ein technisches Meisterwerk, ein historisches Denkmal und ein Ort, an dem die Zeit für einen Moment stillzustehen scheint.
Genießen Sie den Rückweg, lassen Sie den Blick über die Kacheln schweifen und lauschen Sie dem fernen Grollen, wenn oben ein schweres Schiff die Elbe kreuzt. Willkommen im Herzen des Hamburger Hafens.