The story
Herzlich willkommen auf der rechten Altstadtseite von Salzburg. Wir stehen hier am Beginn der Linzer Gasse, einer Straße, die seit Jahrhunderten das pulsierende Herz dieses Viertels bildet. Wenn Sie sich umschauen, spüren Sie vielleicht noch den Geist der alten Pilger und Händler, die genau hier ihre Reise antraten.
Die Linzer Gasse war einst die wichtigste Ausfallstraße der Stadt in Richtung Osten, der Weg, der Salzburg mit Linz und Wien verband. Wer die Stadt verließ oder nach langen Wochen der Reise endlich die schützenden Mauern erreichte, musste hier hindurch. Gehen Sie ein paar Schritte die Gasse hinauf.
Heute säumen moderne Geschäfte und charmante Cafés den Weg, doch über den Dächern wacht die monumentale Fassade der Sebastianuskirche. In ihrem Schatten liegt einer der schönsten Friedhöfe der Welt, auf dem nicht nur die Familie Mozart, sondern auch der berühmte Arzt Paracelsus seine letzte Ruhe fand. Die Linzer Gasse war immer ein Ort des Übergangs, ein Ort, an dem sich das städtische Leben mit der weiten Welt traf.
Doch nun lade ich Sie ein, die breite, belebte Straße zu verlassen und in eine ganz andere Welt einzutauchen. Nur wenige Meter hinter den Häuserfronten der Linzer Gasse, eng an den schroffen Fels des Kapuzinerbergs geschmiegt, verläuft die Steingasse. Sobald Sie diese schmale, kopfsteingepflasterte Gasse betreten, scheint die Zeit stillzustehen.
Die Steingasse ist ein schattiges, mittelalterliches Juwel, in dem die Mauern so eng zusammenrücken, dass man die Geschichte fast mit den Händen greifen kann. Früher war dies der Pfad der Salzsäumer. Hier wurde das „weiße Gold“ aus den Bergwerken auf dem Rücken von Pferden und Maultieren an den Klippen vorbeigeführt.
Es ist eine dunkle, kühle Gasse, die selbst an heißen Sommertagen eine geheimnisvolle Ruhe ausstrahlt. Wenn Sie etwa in der Mitte der Gasse stehen bleiben und Ihren Blick über die Fassaden schweifen lassen, werden Sie eine Gedenktafel entdecken. Sie markiert das Haus mit der Nummer neun.
Dies ist das Geburtshaus von Joseph Mohr, dem Mann, der die bewegenden Worte zu „Stille Nacht, heilige Nacht“ schrieb. Mohr wuchs hier in ärmlichsten Verhältnissen auf, als Sohn einer Strickerin und eines Soldaten. Es ist fast ironisch, dass eines der berühmtesten und friedvollsten Lieder der Welt seinen Ursprung in dieser kargen, schattigen Umgebung fand.
Die Steingasse erzählt Geschichten von Handwerkern, Gerbern und einfachen Leuten, die im Schatten des Berges ihr Dasein fristeten, während oben auf dem Mönchsberg und in den Palästen der Linksstadt der Glanz der Fürsterzbischöfe erstrahlte. Genießen Sie die Stille dieses Ortes. Lassen Sie sich von den unebenen Steinen und den verwitterten Türbögen in eine Ära zurückversetzen, in der Salzburg noch eine Festung war und die Wege hier draußen vor den Toren der Stadt ihren Anfang nahmen.
Jede Nische hier hat ihre eigene Erzählung, man muss nur genau hinhören.